Liebe Koboldfreunde

 

Ich werde immer wieder Geschichten hochladen, die ich selbst nicht erlebt habe. Die Kobolde haben mir immer wieder erzählt. Diese Geschichten sind genauso wahr, wie die Geschichten, die ich selbst erlebt habe.

 

 

Der Kobold vom Wald

Von Danie Safran

 

 

  Sehr selten hat man das Glück einen Kobold zu treffen. Einen Kobold zu treffen der im Wald lebt ist so gut wie unmöglich. Sie sind sehr schüchtern und auch sehr eigen.

  Sollte man trotzdem einen Kobold vom Wald treffen. Und wenn dieser Kobold dann demjenigen auch noch wohlgesonnen sein, dann ist das wie Weihnachten und Ostern zusammen. Die Kobolde vom Wald sind schon eine ganz spezielle Koboldgattung.

  So ein Kobold kann dir auf viele Arten beistehen und helfen. Wenn es dir schlecht geht, versuchen er dich aufzumuntern, oder abzulenken. Diese Kobolde können es nicht ertragen, wenn jemand den sie mögen traurig ist.

  In der Regel handeln sie dann sofort. Zuerst versuchen sie in einem Gespräch herauszufinden, wo der Schuh drückt und das machen sie auf sehr direkte Art. Sie fragen dich:

   „Warum machst du ein so trauriges Gesicht?“  

  Wenn sie keine Antwort bekommen, ärgern sie sich sehr. Sie bohren so lange nach bis sie eine Antwort erhalten. Wenn sie es dann endlich wissen, werden sie ganz aufgeregt. Sie überlegen hin und her. Sie finden eine Lösung (meistens) und verwerfen sie gleich wieder. Sie finden wieder eine neue Lösung und verwerfen sie auch gleich wieder. Usw. usw. usw.

  Oft geht es Demjenigen schon besser, weil er zusehen kann was der Kobold alles unternimmt um Lösungen zu finden. Er ist dann so kauzig, dass derjenige einfach lachen muss und das Lachen ist immer noch die beste Medizin.

 Für jeden Kobold ist es eine besondere Herausforderung, wenn er ein Problem lösen darf, oder muss. Er ist dann sehr einfallsreich.

  Wenn das alles nichts nützt hat er noch eine Geheimwaffe. Er besitzt ein sehr seltenes Zauberpulver, das wendet er nur an, wenn sonst nichts hilft. Wenn er dieses Pulver für einen Menschen benutzt, ist das eine ganz besondere Ehre. Das passiert in der Regel so alle 100 Jahre einmal.

 Kobolde haben fürs Leben gern Tiere um sich. Sollte man im Wald auf viele verschiedene Tiere zusammen stossen, also Tiere die man sonst nicht miteinander sieht, z.B. Hasen, Mäuse, Rehe und vielleicht noch einen Fuchs, dann ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Kobold in der Nähe.

  Sie können sich natürlich sehr gut tarnen. Es kann passieren, dass man ganz nah an einem Kobold vorbeigeht und ihn doch nicht bemerkt. Seine Kleider sind dem Wald angepasst.

 

Also eigentlich sind seine Kleider auch alle aus den Materialien des Waldes.

  Seine Hose aus Baumrinde,

  sein Hemd aus getrockneten Blättern,

  die Schuhe werden meist aus Gras geflochten

  für den Hut reicht meist ein grosses Blatt.

 

  Jetzt möchte ich euch erzählen, warum ich so viel über Kobolde weiss. Ich habe vor langer Zeit das Glück gehabt einen Kobold kennenzulernen. So hat es sich zugetragen . . . .

 

  Es war so ein Tag an dem alles was schiefgehen kann auch schiefgeht. Eigentlich war ich schon eine längere Zeit mit meinem Leben nicht zufrieden. Alles, wie es im Volksmund heisst, schien den Bach hinunterzugehen. Ich war niedergeschlagen und hätte doch so viel sollen richten und lösen sollen.

   An diesem Tag ging ich im Wald spazieren, um den Kopf so richtig durchzulüften. Ich war ohne Ziel unterwegs, ging auf Pfaden, die ich noch nie gegangen war. Irgendwann kam ich auf eine Lichtung. Weil ich aber immer noch traurig war, setzt ich mich ins Gras und fing an zu weinen.

 Plötzlich fiel ein Blatt auf meine Schulter. Fiel ist zu viel gesagt, es landete ganz sanft auf meiner Schulter. Fast war es als wollte das Blatt mich sanft berühren.   

 Ich liess es eine Zeitlang liegen und dachte es sei doch schön, dass dieses Blatt mich ausgesucht hat. Nach einer Weile nahm ich Blatt in meine Hand und schaute es genau an. Ich dachte das gibt es doch nicht, man könnte meinen, dass etwas darauf geschrieben stand. Das wollte ich jetzt genau wissen.

  In meiner Hosentasche habe ich immer allerlei Krimskrams; z.B. Wundpflaster, Streichhölzer, einen schönen Stein. Ja und heute, wahrscheinlich beim Zimmeraufräumen bei einer meiner Töchter, eine kleine Lupe. Die konnte ich jetzt gut gebrauchen.

  Mit dieser Lupe nahm ich das Blatt, im wahrsten Sinn des Wortes, unter die Lupe. Was ich darauf gesehen, gelesen habe klingt sehr abgehoben. Auf dem Blatt stand ganz klein und krakelig:

 

  „Warum bist du so traurig? Kann ich dir helfen?“

 

  Genau so stand es darauf. Ich dachte, jetzt habe ich wirklich einen Knick in der Fichte. Ich schaute mich um, ob sich jemand einen Scherz mit mir erlaubt, sah jedoch niemanden. Wer könnte das wohl geschrieben haben. Ausser ein paar Tieren war nichts zu sehen. Nein das stimmt nicht ganz, es waren sehr viele Tiere auf dieser Lichtung, extrem viele Tiere.

  Auf einem Baum sassen mehrere Vögel, unterschiedlicher Arten, auf der anderen Seite der Lichtung standen zwei Rehkitze und in meiner Nähe war ein Hasenbau, daraus beobachten mich Junge Hasen. Sonst war nichts in der Nähe. Wer hat auf das Blatt geschrieben und bin überhaupt ich gemeint.

  Gerade als ich mir noch andere Fragen stellen wollte, wurde mit einem kleinen Ästchen nach mir geworfen. Aber auch jetzt sah ich niemanden. Alles wirkte so friedlich. ABER so ein Stöckchen kam ja nicht von alleine angeflogen kommen und das auch noch bei völliger Windstille.

  Ich wartete ab, ob noch etwas geschehen würde. Recht lange passierte nichts Ungewöhnliches mehr. So nach einer halben Stunde hatte ich das Blatt schon fast vergessen, ich habe mir das wohl nur eingebildet.

   Plötzlich sagt jemand in meiner Nähe leise;

   „Sag jetzt, kann ich dir helfen?“

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich erschrocken bin. Ich sah mich wieder um, sah jedoch niemanden.

  „Wer spricht da mit mir,“ rief ich.

  Was jetzt passierte, glaubt mir kein Mensch. Ein kleiner Mann, also ein kleiner Mann trifft es nicht richtig, also für mich sah es schon nach einem kleinen Mann aus, zwar eigenartig klein….

  Nochmals von vorne. Ein kleiner Mann trat aus dem Gebüsch hervor und schaute mich freundlich an. Er kam näher und legte seine klobige Hand auf meinen Kopf und sagte:

   „Nichts kann so schlimm sein, als dass man es nicht in Ordnung bringen könnte.“  Als er das sagte musste ich gleich wieder anfangen zu weinen. Er streichelte sanft meinen Kopf und hat mich ausgefragt.

  Er wollte wissen was denn so schlimm sei. Ich habe noch nie jemandem so viel von mir erzählt. Ich habe ihm von Anfang an vertraut. Alles purzelte nur so aus meinem Mund. Er meinte:

   „Da finden wir schon einen Ausweg. Jetzt will ich mich aber zurecht vorstellen.  Mein Name ist Knorrig Wurzelstock. Du darfst mich Knorrig nennen. Ich bin ein Kobold und wohne hier im Wald. Es ist wichtig, dass du niemandem erzählst, dass du mich kennst, dass du einen Kobold kennst. Auch nicht wie du mich kennengelernt hast und ….  Am besten erzählst du nichts. Wir Kobolde wollen nicht, dass Menschen etwas von uns wissen. Wir mögen euch Menschen eigentlich gar nicht. Wir mögen euer Laut sein nicht, wir mögen eure Hektik nicht und eure Doppelmoral mögen wir am wenigsten. Doch du hast mir so leidgetan, soviel Elend in einer Person ertrage ich nicht. Dir würde ich gerne helfen. Darf ich?“

  Er hat so lieb gefragt. Schon alleine, dass ich ihm alles erzählen konnte, tat mir gut. Ich hatte sofort vertrauen zu ihm. Irgendwie spürte ich, dass dieser kleine Kerl, es wirklich gut mit mir meinte. UND ich hatte recht.

 Sofort fing er an nach Lösungen zu suchen. Das hättet ihr sehen sollen. Knorrig sprang ganz aufgeregt umher und überlegte und überlegte und verwarf wieder und überlegte………. Allein vom Zuschauen ging es mir schon besser.

 Der noch schön endende Nachmittag ging fast zu schnell zu ende. Knorrig und ich versprachen uns gegenseitig, dass wir uns wieder treffen werden. Er sagte zu mir,     

  „komm einfach hierher, ich werde schon merken, dass du hier bist.“

  Auch sagte er mir, dass er weiter nach Lösungen für mein Problem suchen werde.  Zusammen würden wir schon Lösungen finden.

 Ich ging schon viel erleichterter nach Hause. Mir war leichter ums Herz. Ich nahm mir vor Knorrig bald wieder zu besuchen.

  Wie es so geht, wurde aus dem Bald eine doch längere Zeit. Immer kam das Eine oder andere dazwischen. Als es wieder hoch zu und her ging kam mir Knorrig in den Sinn. Sobald ich konnte, ging ich wieder in den Wald, auf die Lichtung. Leise rief ich:

 

  „Knorrig bist du hier?“

 

Kaum hatte ich diese Worte geflüstert, war er schon da.

  „Das ist schön, dass du mich besuchen kommst. Wie ist es dir ergangen?“ wollte Knorrig wissen. Es war mir etwas peinlich, dass ich solange nichts von mir hören lies. Ich erzählte ihm was ich gemacht habe in dieser Zeit.

  „Ach Knorrig, dass du mir so aufmerksam zugehört hast und einfach für mich da warst, hat mir sehr geholfen. So dass ich schon selbst angefangen habe an Lösungen zu arbeiten.“ 

Ich erzählte was ich so aufgegleist hatte.

  „Das freut mich für dich, „meinte Knorrig, „ein paar dieser Dinge wollte ich dir auch raten. Schön, dass du selbst darauf gekommen bist. Wir redeten noch lange.    

  Ich und Knorrig wussten, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ohne ihn wäre ich nicht so selbstsicher auf diese Lösungen gekommen. Er war da, um mir auf die Schultern zu klopfen, wenn ich wieder eine Hürde genommen habe. Er sagte auch du schaffst das, wenn ich unsicher war. Knorrig und ich trafen uns immer wieder. Knorrig sagte zu mir,

  „jetzt wo dein Leben wieder im Lot ist, können wir anfangen Abenteuer zu bestehen, die einfach Spass machen.“

 

 

  Ich erlebte viel mit ihm und habe auch viel gelernt.

 

  Knorrig ist ein spezieller Kobold. Es ist nicht normal, dass ein Kobold sich so sehr mit einem Menschen abgibt. Meist sind es nur kurze Momente, die ein Menschen nicht einmal wahrnimmt.

   Zwischen Knorrig und mir entstand eine tiefe Freundschaft. Eine Freundschaft die man selten findet und schon gar nicht zwischen Menschen und Kobolden.

 Wenn auch alles was ich euch erzähle schon lange zurück liegt und ich Knorrig nur noch sehr selten sehe, so weiss ich doch, dass er da ist, wenn ich ihn brauche. Ich weiss auch, dass er immer ein Auge auf mich und meine Mädels hat.

 

  Jetzt will ich euch von einem Abenteuer erzählen, das ich mit Knorrig erlebt habe. Einmal waren wir, wie so oft, im Wald unterwegs. Da fragt Knorrig mich:

  „Bist du schon einmal von Baum zu Baum Windblattgesurft?“

  Ich habe ihn gefragt:

  „Windblatt surfen? Was ist das?“

  Ich wollte auch wissen zu was Windblatt surfen gut ist. Er lachte und meinte:    

  „Windblatt surfen ist zu nichts gut. ABER es macht soooooviel Spass. Komm ich zeig es dir. Zuerst müssen wir auf einen hohen Baum klettern. einen richtigen hohen Baum. Du musst mir helfen beim Klettern.“

  Wir suchten also den richtigen Baum.

  „Der da scheint mir der richtige zu sein,“ schon begann er daran hochzuklettern. Gleichzeitig begann ich auf der gegenüber liegender Seite hinauf zu klettern. Ich merkte bald, wo und wie ich Knorrig helfen musste. Seine geringe Grösse war sein Handycap. Am unteren Ende des Baumes waren die Abstände der Äste zu gross.  

   Ich wollte wissen,

  „wie kommst du hoch, wenn du alleine bist?“

  „Ich sagte, dass es viiiiel Spass macht. Ich sagte aber nicht, dass ich es oft mache,“ meinte er mit einem Augenzwinkern. Endlich oben angekommen fing Knorrig an grosse Blätter zusammenzunehmen.

  „Los mach es mir nach! Du solltest etwas grössere Blätter für dich nehmen und mir einem dünnen Stöckchen zusammenflechten. Schau ich zeig es dir. Der kleine Ast sollte schon so stabil sein, dass er nicht so leicht bricht.“

  Es war gar nicht so einfach auf dem Baum, in luftiger Höhe, alles zusammen zu- suchen. Das allein machte irgendwie schon Spass. Genau verstanden habe ich nicht, wie ich die Blätter mit dem dünnen kleinen Stöckchen zusammen weben soll. Am Schluss sah seines wie ein Surfbrett aus und meines sah aus als ob ich es mit zwei linke Händen gemacht hätte.

  Jetzt kam der grosse Moment. Beide setzten wir uns auf einen stabilen Ast, der eine leichte Schräglage nach unten aufwies. Ich fand einen Solchen auf der gegenüberliegenden Seite. Knorrig schaute mich an und nickte,

  „ja der ist genau richtig für dich.“

  Knorrig drehte sich um und erklärte,

  „am besten schaust du mir zu und machst es mir nach:“

  Schwups gesagt getan, schon war er unterwegs und schon stand er eine Etage tiefer, auf dem Baum nebenan. Schwupp ging es schon weiter. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und liess mich von meinem Windblattsurfer nach unten gleiten.

  „Wow, yeeepeeee.“

  Ich dachte für einen Augenblick ich sei die Königin der Lüfte.

  „Komm Knorrig, das machen wir nochmals,“ rief ich ihm übermütig zu.

„Das geht leider nicht, dein Windblatt ist völlig zerfleddert.“

Ja da hatte er wohl recht.

„Knorrig das müssen wir unbedingt wieder einmal machen.“

 Auch für diese eine Fahrt hat es sich gelohnt. Das war ein toller Nachmittag. Es wurde viel zu schnell Zeit, um nachhause zu gehen. Ich versprach Knorrig bald wieder zu kommen. Ich hätte mich gern viel mehr mit Knorrig getroffen. Ich versuchte so oft wie möglich mir diese Paar freie Stunden zu gönnen.

 

   Einmal musste ich Knorrig lange rufen und suchen, so dass ich schon Angst hatte er würde nicht mehr kommen. Er kam völlig ausser Atem angerannt, und rief:

  „Komm wir müssen uns beeilen. Es gibt bald ein Gewitter und bis es da ist müssen wir am See sein.“

  Ein Gewitter! Oh nein! Ich habe vor nichts mehr Angst als vor einem Gewitter. Also mehr vor dem Donner. Deshalb sagte ich zu Knorrig:    

  „Tut mir leid, wenn ein Gewitter kommt, will ich zuhause sein. Woher weisst du überhaupt, dass ein Gewitter kommt. Es ist ein wolkenloser Tag?“

Darauf meinte er,

  „Nicht viele Dinge, die die Menschen von uns denken (wenn sie denn an uns glauben würden), stimmen. Aber ja Gewitter können wir spüren.“

  Ich wollte trotzdem schnell nach Hause. Knorrig ergriff meine Hand und zog mich mit sich.

  „Dieses spezielle Abenteuer kann ich dir nur zeigen, wenn ein Gewitter, über dem See, im Anzug ist.“

  Jetzt siegte meine Neugier über meine Angst. Knorrig hatte es eilig dorthin zu kommen. Wohin auch immer. Dieser Teil des Waldes war mir so fremd, dass ich keine Ahnung hatte, wo wir waren. Ich dachte mir noch, hier gibt es auf keinen Fall einen See. Knorrig wurde langsamer und deute auf eines der vielen Gebüsche vor uns. Er trennt die kleinen Äste und sagte:

  „Schau.“

  „Wow!“ rief ich. Vor und lag ein kleiner wunderschöner See.

  „Warum habe ich den vorher nie gesehen?“ wollte ich wissen.

  „Ach ihr Menschen könnt über dies und jenes Stolpern und würdet nicht bemerken was vor euch liegt. Aber diesen See hättest du nicht gefunden, selbst wenn du gewusst hättest, dass er hier ist. Meine Vorfahren haben diesen See so gut getarnt, dass manche Kobolde sogar Mühe haben ihn zu finden. Man könnte glauben er sei verzaubert.

  Es ist mir eine Freude dir diesen See zu zeigen, so dass du an diesem ‚Zauber‘ teilhaben kannst.“

  Da hatte er schon recht, es lag ein Zauber über diesem Ort. Eine sehr spezielle Stimmung. Auch das Licht war ganz anders, fast magisch. Ich fragte ihn was diesen Platz so ausmacht. Er flüsterte mir zu,

  „hab noch etwas Geduld und du wirst es verstehen.“

  Schon bald sahen wir die ersten Blitze und hörten ein, wenn auch noch fernes, Donnergrollen. Eigenartigerweise habe ich mich nicht gefürchtet. Nein im Gegenteil, ich genoss es richtig und fühlte mich lebendig, hier mit Knorrig. Das Gewitter kam jetzt unaufhaltsam näher. Eine seltsame Ruhe lag über dem See. Dann ein Blitz, kaum wahrgenommen, krachte mitten in den See. Ein ohrenbetäubender Donner folgt auf die Sekunde.

   „Jetzt!!!“ rief Knorrig,

   „mach es mir einfach nach.“ Schon war er weg und ihr werdet es nicht glauben.   

 Er lief wie auf Kufen über den See.

   „Mach schon,“ rief er,

   „es ist einfach. Du musst dich nur trauen.“  

  Das kann er schon sagen, dachte ich. Er ist viel kleiner wie ich, auch wenn er gedungen aussieht, auch sehr viel leichter als ich.

  „Komm schon, du kannst in diesem See nicht ertrinken, er ist nicht sehr tief. Du musst mir vertrauen und vor allem musst du dir selbst vertrauen. Mach am Anfang kleine kurze Sprünge. Im Vergleich zu deiner Grösse hast du viel kleinere Füsse als ich mit meinen riiiiiiesen Latschen, also sollte es bei dir noch bessergehen als bei mir.“

  Ich nahm all meinen Mut zusammen, steckte erst den grossen Zeh ins Wasser. Also der Zeh tauchte ins Wasser ein wie auch sonst. So viel zu Mut. Ich wollte nicht als Hasenfuss gelten und begann wie Knorrig, über den See zu schlittern, rutschen.

  Ihr werdet es nicht glauben, es funktionierte. Das war ein Spass. Es war fast wie Schlittschuh laufen, ohne kalt zu sein. UND es machte definitiv mehr Spass. Nach jedem Blitz die in den See fuhren, kuften wir wieder über den See. Ausser Atem wollte ich von Knorrig wissen,

  „wie funktioniert das?“

Knorrig lachte,

  „meine Vorfahren haben diesen See nicht nur gut getarnt, sie haben auch das eine oder andere, nun….. das eine oder andere angepasst.“ Knorrig hüpfte, singend auf dem See herum, sang ein Lied über Naturgewalten und Landschaften. Ich verstand nicht alles was er sang, manchmal laut, dann wieder leise, dann in einer Sprache, die ich nicht verstand. Ich rief:

  „Was für eine Sprache ist das? Koboldisch?“

  „Nein das ist nicht koboldisch. Das ist die Ursprache der Welt. Ihr Menschen habt sie schon lange vergessen.“

  Und schon trällerte er weiter. Es klang etwa so,                    

niong gan fahlen edendel foold gerim sodang,

  

naja, in etwa so.

  So plötzlich, dass alles angefangen hatten, so plötzlich war es auch wieder vorbei. Knorrig kam zu mir,

  „das war ein Spass,“ sagte er lachend zu mir und fügte etwas trauriger hinzu,

  „leider ein Spass den wir nur selten haben können. Alle paar Jahrzehnte passt alles zusammen. Dann und nur dann können wir Kobolde und auch du, im wahrsten Sinn der Worte, über Wasser gehen.“

   Knorrig und ich haben und auf den Boden gesetzt, Rücken an Rücken und einfach dieses Erlebnis und Gefühl genossen.

 

  Die Zeit verging mit Knorrig immer wie im Flug. Irgendwie wusste Knorrig immer was ich gerade brauchte. Diese Zeit mit Knorrig war eine der Besten, die ich je erlebt hatte. Er gab mir so viel Kraft, soviel Selbstvertrauen und so viel, wovon ich zehren kann, dass es mir in stürmisches Zeiten half, einen Schritt zurück zu gehen um dann von neuem loszulegen.

  Ihr werdet euch noch viele Abenteuer, die ich mit Knorrig erlebt habe, erzählen. Ich habe seit ein paar Jahren nichts mehr von   Knorrig gehört. Ich habe jedoch immer gespürt, dass er da wäre, falls ich ihn brauchen sollte.

 

  Manchmal wenn ich spazieren gehe, oder auf dem Balkon sitze, oder wo auch immer, habe ich manchmal das Gefühl, dass er in meiner Nähe ist. Wenn ein Blatt in meine Haustüre geweht wird, sehe ich es mir immer genau an, vielleicht steht ja etwas darauf. Zumindest wünsche ich mir, dass etwas darauf steht.

 

  Ich bin sicher, dass der Eine oder andere, Knorrig auch kennengelernt haben. Er hat mir einmal gesagt, dass er zwar Menschen nicht mag, A B E R Menschen die seine Kobolderscheinung diskret behandeln, bei denen würde er eine Ausnahme machen. Haha, auch eine Episode über die wir herzhaft lachen konnten, wie über so viele Sachen.

  Ob ihr es glaubt oder nicht. Ich habe noch andere Kobolde kennen gelernt. Ihr fragt euch warum gerade ich. Das hatten mir ein anderer Kobold erklärt. Es ist so, wenn ein Mensch erst mal einen Kobold getroffen hat, bleibt ein spezieller Koboldduft an ihm haften. Das macht es anderen Kobolden leichter diesem Menschen zu vertrauen. Ich freue mich darauf euch noch mehr über Kobolde zu erzählen. Es folgen noch viele Abenteuer. Auch Abenteuer, die ich nicht selbst erlebt habe, jedoch von Kobolden erzählt bekommen habe.

Ihr müsst wissen, es gibt sie wirklich. Auch wenn ihr sie nicht sehen könnt. Sie sind trotzdem DA!!!!!!!!!!

 

 

 

                                                                   Ende

 

 

 

Jeder Kobold entscheidet selbst, ob er erlaubt die Geschichten zu erzählen